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Das Projekt Filmspur soll Forschenden und Studierenden praktische, quellenkritische, analytische und theoretische Hilfe in der historischen Auseinandersetzung mit Film- und Tonquellen leisten.


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– Eine Archivdatenbank für einen suchbaren und kritischen Überblick über die Institutionen mit Film und Tonbeständen in der Schweiz

Werkstattgespräche beinhalten GESPRÄCHE und REFERATE:

GESPRÄCHE mit Experten zu den Quellentypen Film, Fernsehen und Ton auf quellenkritischer, analytischer und praktischer Ebene

Referate von Forschenden, die sich im Rahmen ihrer Arbeit vertieft mit Film- oder Tonquellen auseinandergesetzt haben


OFFLINE BIETET Filmspur:

– Lehrveranstaltungen des Historischen Seminar der Universität Zürich werden betreffend der Verwendung von Film- und Tonquellen beraten, und zwar bezüglich Archivzugang, Quellen, Literatur und weiteren Fachexperten.

– Forschende sollen im Rahmen von Workshops und Online-Präsentationen ihre Forschungsarbeit vorstellen können.

– Der Austausch zwischen Forschenden und Archiven soll verstärkt werden.


Filmspur ist eine Initiative des Historischen Seminars der Universität Zürich und auch auf Facebook und Twitter vertreten.

Wir danken für die grosszügige Unterstützung der G+B Schwyzer Stiftung.

IMPRESSUM
Grafik: Corina Neuenschwander
Programmierung: Springen

General Gordon and the Changing Face of the British Hero since 1885 (Max Jones)

Untersucht man die Darstellung britischer Nationalhelden im Wandel der Zeit, so bietet sich die Person Charles George Gordons (1833–1885) an: Seine Statute stand von 1888–1948 auf dem Trafalgar Square, ist danach entfernt und in reduzierter Form wenige Jahre später vor dem Ministry of Defence wieder errichtet worden. Ein nicht unumstrittener Nationalheld also, dessen Mythos auf die zunehmend kritisch betrachteten Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts zurückgeht.
PERSON
Max Jones forscht und unterrichtet britische Geschichte nach 1750, sein besonderes Interesse gilt folgenden Bereichen:

-Helden, Heldentum, Geschlecht und Männlichkeit
-Monarchie, Empire und nationale Identität
-Kulturgeschichte des Krieges
-Antarktika, Forschungsreisen und Wissenschaft
GESCHICHTE
Gordons Name ist eng mit der Blüte des britischen Weltreiches verknüpft. Mitte der 1880er Jahre kommt es unter Mahdi Muhammad Ahmad in Ägypten und im Sudan zu einem Aufstand gegen die Kolonialmacht. Die britische Regierung verliert in der Folge zunehmend die Kontrolle über das Gebiet und ist bereit, den Sudan aufzugeben, um die Stabilität in der Region wieder herzustellen. Dieses Zugeständnis entbindet die Briten jedoch noch nicht von Ihrer Verantwortung gegenüber den ägyptischen Verwaltungsangestellten, Soldaten und deren Familien, die es nun sicher zu evakuieren gilt. Den Auftrag dazu erhält General Gordon als ehemaliger Gouverneur des Sudans. Die militärische Aktion gerät aber zu einem Fiasko und Gordon sieht sich gezwungen, mit seinen Truppen nach Khartum zurückzuweichen. Dort wartet er vergeblich auf Verstärkung und muss mitansehen, wie die Aufständischen die Stadt erobern und wird schliesslich umgebracht.

Nun entsteht der Mythos um Gordon, ein Idealbild eines aufrechten Christen und Briten, der sein Leben für die Krone und das britische Imperium geopfert hat. Doch er ist nicht ein Held unter vielen, sondern wird zum Inbegriff des Helden in Grossbritannien gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Seine kulturelle Bedeutung in den folgenden Jahrzehnten zeigt sich etwa an der Statue auf dem Trafalgar Square oder der ausführlichen Behandlung seines Lebens und Sterbens in den Schulbüchern.

Max Jones ist in seiner Forschung der Frage nachgegangen, wie Gordons Geschichte im Laufe der Jahrzehnte erzählt wird und welche Schlüsse sich daraus auf die britische Gesellschaft im Allgemeinen ableiten lassen.

Ein Gemälde ist dabei ikonisch geworden: «The Death of General Gordon» von George William Joy. Es hat, wie Max Jones ausführt, den Mythos und die Erinnerung an Gordon grundsätzlich geprägt.

Das Bild wird 1894 in der Royal Academy in London ausgestellt, erhält aber keine Würdigung als herausragendes künstlerisches Werk und wird in der Berichterstattung zur Ausstellung nicht einmal erwähnt. Bleibt die Anerkennung dem Bild und seinem Maler auch verwehrt, so erweist sich die Inszenierung des Todes von Gordon als kulturell sehr wirkungsmächtig. Es wird immer wieder reproduziert und erneuert in den unterschiedlichen Medien. Das Werkstattgespräch mit Max Jones konzentriert sich auf die Wirkungsgeschichte des Bildes in Filmen des 20. Jahrhunderts.

Für das Verständnis des Mythos um Gordon erscheint es sinnvoll, sich nochmals vor Augen zu führen, was in Khartum geschehen ist: Der General stirbt und die Stadt fällt. Eigentlich kaum Stoff, der für Heldenruhm taugt. Um nachzuvollziehen, was ihn zu einer solchen Ikone des britischen Empire macht, muss das Bild von Joy genauer betrachtet werden. Gordon ist auf der obersten Treppenstufe zu sehen, aufgerichtet, stolz, seinen Revolver auf den Boden gerichtet. Eine Geste die impliziert, wie der Maler ausführt, dass sich Gordon nicht unterwirft. Er wirkt kultiviert und diszipliniert und wiederspiegelt damit das Selbstverständnis der britischen Kolonialmacht: Ihre zivilisatorische Überlegenheit verpflichtet sie dazu, dem Rest der Welt Vorbild zu sein. Ein Kontrast, der sich auf dem Bild in der Vertikalen manifestiert. Unten eine wilde Horde, die nach dem Leben des Generals trachtet. Und oben Gordon, der auf sich alleine gestellt, aufrecht und unerschrocken darauf verzichtet, in die Menge zu schiessen, aber seine Waffe auch nicht hergibt.

Die Bedeutung des Bildes wird umso klarer, wenn man die Darstellung mit den historischen Überlieferungen vergleicht, da es sich offensichtlich um eine Erfindung handelt. Gordon wird erschossen, als er sich während der Erstürmung aus der Stadt absetzen will. Das Bild verschleiert zugleich die Sicht auf die waffentechnischen Vorteile, welche die Briten damals gnadenlos ausspielen. So sterben bei der Schlacht von Omdurman, die das Ende der kurzen Herrschaft der Mahdisten im Sudan bedeutet, gegen 10’000 Sudanesen durch das Feuer der neuen Maxim-Maschinengewehre. Auf der Gegenseite fallen nur knapp 50 britische und ägyptische Armeeangehörige. Doch diese technologische Überlegenheit und schonungslose Brutalität entspricht nicht dem Selbstbild des Empire. Die Fiktion von Joy, die Gordon – und damit dem Briten insgesamt – Qualitäten eines Gentleman zuschreibt, scheint da viel geeigneter. Akzentuiert wird dieses Bild durch den Kontrast zu den als wild und feige dargestellten lokalen Gegnern.

Doch wie verändert sich das Bild Gordons im Laufe der Zeit?

Historiker waren sich bis anhin einig, dass sein Ruhm bis zum Ersten Weltkrieg ungebrochen ist. Das Buch «Eminent Victorians» von Lytton Strachey aus dem Jahr 1918 wurde gemeinhin als Anfang vom Ende des britischen Nationalhelden Gordon gesehen. Auf der Suche nach Erklärungen für den Ersten Weltkrieg nimmt sich Strachey in dieser Essaysammlung einzelne Personen vor und Gordon symbolisiert für ihn dabei nicht christliche und britische Werte, sondern erscheint als geltungsbedürftiger Heuchler und Alkoholiker. Seine eigene Eitelkeit habe ihn angetrieben, und nicht christliche Werte. Keine Rede könne daher von einem nationalen Helden sein.

Diese Sicht konfrontiert Max Jones mit seinen Ergebnissen aus der Analyse von Fernsehserien, Radiosendungen und Filmen, in denen die Figur des Generals bis in die 1960er Jahre für ein Millionenpublikum ungebrochen eine Respektsperson darstellt. Der Zerfall seines Ruhms in den populären Formaten zeichnet sich erst in den 1960er und 1970er Jahren ab und zwar auf Grund mehrerer Faktoren.

Das Ende des britischen Weltreichs vollzieht sich mit der Dekolonialisierung in den 1950er und 1960er Jahren rasant, wodurch auch der politische Nutzen eines kolonialen Helden kaum mehr vorhanden ist. Zudem erlebt England im selben Zeitraum eine grosse Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien und die Gesellschaft wird zunehmend multikulturell. In diesem Kontext wird eine Person, die ihren Ruhm aus dem Kampf gegen aussereuropäische Völker herleitet, plötzlich problematisch. Zentraler Bestandteil des Bildes von Gordon ist auch seine Religiosität, die aber im gesellschaftlichen Leben ebenfalls an Bedeutung verliert. Hat Gordon in der Literatur und Geschichtsschreibung nach dem Ende des Ersten Weltkrieges seinen Ruhm auf Grund seiner Persönlichkeit und der erbrachten Leistungen eingebüsst, so vollzieht sich sein Bedeutungsverlust in der breiten Öffentlichkeit auf Grund grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen im Zuge der Dekolonialisierung.
DOKUMENTATION
Für die Untersuchung der medialen Darstellung in der britischen Gesellschaft verweist Max Jones auf folgende Online-Angebote

British Universities Newsreel Database
Die wichtige Datenbank «News on Screen» des British Universities Film and Video Council (BUFVC), früher unter dem Namen BUND (British Universities Newsreel Database) bekannt gewesen.

Um Herkunft, Art und Zusammensetzung der Datenbank zu verstehen empfiehlt sich: Nicholas Hiley and Luke McKernan, «Reconstructing the news: British newsreel documentation and the British Universities Newsreel Project», Film History, 13.2 (April 2001).

«News on Screen» stellt die zur Zeit umfassendste Datenbank dar. Sie bietet jedoch keinen direkten Online-Zugriff auf die Beiträge.

Wichtige Online-Archive für britische Wochenschaubeiträge

British Movietone
Die gesamte Datenbank der British Movietone News (1929–1979) mit sehr detaillierten Beschreibungen und online-Zugriff auf die Beiträge. Kostenlose Registrierung notwendig.

British Pathé
Mehr als 3’500 Stunden Material der Bestände Pathé News, Pathé Pictorial und Eve's Film Review ist online zugänglich. Der Bestand ist nun Teil von ITN Source.

Gaumont Pathé Archives
Die Archive von Gaumont, Éclair und French Pathé news archives gehen zurück bis ins Jahr 1896. Ein grosser Teilbestand ist online zugänglich und macht damit die Seite zu einer wichtigen Adresse für historische Aufnahmen aus der ganzen Welt. Die Datenbank ist in englischer und französischer Sprache aufrufbar.

ITN Source
ITN Source, früher als ITN Archive bekannt, umfasst Filmwochen-, Fernsehbeiträge und Agenturmaterial unter anderen von Gaumont-British News, Gaumont Graphic, British Paramount News, Reuters Television, Universal News.
LITERATUR
–Max Jones, «National Hero and Very Queer Fish»: Empire, Sexuality and the British Remembrance of General Gordon, 1918–72’, Twentieth Century British History, forthcoming 2015 and available now on ‘advance access’.
(online)

–Max Jones, Berny Sèbe, Bertrand Taithe, Peter Yeandle (eds.), Special Issue on «Decolonising Imperial Heroes: Britain and France», Journal of Imperial and Commonwealth History, 42:5 (2014). (online)


–Max Jones, «What Should Historians Do With Heroes? Reflections on Nineteenth- and Twentieth-Century Britain», History Compass, 5:2 (2007).
(online)

–Berny Sèbe, Heroic Imperialists in Africa: The Promotion of British and French Colonial Heroes, 1870–1939 (Manchester: Manchester University Press, 2013)

–Wendy Webster, Englishness and Empire, 1939–1965 (Oxford: Oxford University Press, 2005)


FILMSPUR bietet einen Einstieg in die historische Arbeit mit Film- und Tonquellen. Anhand von verschiedenen Kriterien kann nach Archiven mit audiovisuellen Beständen gesucht werden. Ergänzend stehen Dokumentationen zur Verfügung, die entsprechende historische und methodische Fragestellungen behandeln.

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