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Das Projekt Filmspur soll Forschenden und Studierenden praktische, quellenkritische, analytische und theoretische Hilfe in der historischen Auseinandersetzung mit Film- und Tonquellen leisten.


DIESE WEBSITE BIETET DAZU FOLGENDES:

– Eine Archivdatenbank für einen suchbaren und kritischen Überblick über die Institutionen mit Film und Tonbeständen in der Schweiz

Werkstattgespräche beinhalten GESPRÄCHE und REFERATE:

GESPRÄCHE mit Experten zu den Quellentypen Film, Fernsehen und Ton auf quellenkritischer, analytischer und praktischer Ebene

Referate von Forschenden, die sich im Rahmen ihrer Arbeit vertieft mit Film- oder Tonquellen auseinandergesetzt haben


OFFLINE BIETET Filmspur:

– Lehrveranstaltungen des Historischen Seminar der Universität Zürich werden betreffend der Verwendung von Film- und Tonquellen beraten, und zwar bezüglich Archivzugang, Quellen, Literatur und weiteren Fachexperten.

– Forschende sollen im Rahmen von Workshops und Online-Präsentationen ihre Forschungsarbeit vorstellen können.

– Der Austausch zwischen Forschenden und Archiven soll verstärkt werden.


Filmspur ist eine Initiative des Historischen Seminars der Universität Zürich und auch auf Facebook und Twitter vertreten.

Wir danken für die grosszügige Unterstützung der G+B Schwyzer Stiftung.

IMPRESSUM
Grafik: Corina Neuenschwander
Programmierung: Springen

Visuelle Inszenierung der Alpen im massenmedialen Ensemble der modernen Schweiz (Dominik Schnetzer)

PERSON
Dominik Schnetzer ist promovierter Historiker mit den Spezialgebieten Oral History, Visual History, humanitäre Geschichte und Musikgeschichte.
Er arbeitet als Projektleiter, Kurator, Ausstellungmacher, Autor und Dozent.
GESCHICHTE
Thematisch konzentriert sich Schnetzer darauf, wie die Alpen in der Schweiz der Zwischenkriegszeit in zwei von den Geschichtswissenschaften bislang wenig bearbeiteten Leitmedien der Moderne visuell inszeniert wurden: in den schweizerischen Illustrierten und im heimischen Filmschaffen. Aus letzterem zieht Schnetzer auch die Eingrenzung seines Untersuchungszeitraums auf die Jahre 1917 bis 1938. 1917 erschien der erste schweizerische Spielfilm «Der Bergführer», während 1938 «Füsilier Wipf» zum bis heute unübertroffenen Kassenschlager in den Schweizer Kinos avancierte. Fast unglaubliche 1’2 Millionen Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, strömten in die Kinosäle, um sich die zur Zeit des Ersten Weltkriegs angesiedelte Geschichte des städtischen Frisörs Reinhold Wipf anzusehen, der im Militärdienst auf dem (voralpinen) Lande zu seinen bäuerlichen Wurzeln zurückfindet. 1938 war zudem das Jahr, in der die Schweizerische Landesregierung in einer sogenannten Kulturbotschaft die «Geistige Landesverteidigung» zum Teil des schweizerischen Abwehrdispositivs gegen Außen machte. Während die militärische Aufrüstung darauf abzielte, im Kriegsfall das nationale Territorium behaupten zu können, sollte die «Geistige Landesverteidigung» mithelfen, durch alle Zeiten eine «schweizerische Eigenart» zu bewahren, die laut jener Kulturbotschaft vorwiegend im alpinen Boden und einer langen gemeinsamen Geschichte verankert war. Dies war eine ausgesprochen rückwärtsgewandte Leseart der schweizerischen Nation als Gotthardstaat, welche die agrarisch geprägten, mehrheitlich katholischen Berggebiete ins Zentrum rückte und die republikanischen Errungenschaften des Bundesstaates ebenso ausblendete wie die urbane Lebenswirklichkeit der Bevölkerungsmehrheit des schweizerischen Mittellandes. Im Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus wurden die Alpen zum militärischen und mentalen Verteidigungswall der Schweiz, obwohl sich die Geographie einer solchen Vereinnahmung nur schlecht fügte, zogen sich die Bergketten doch nicht den Rändern des Landes entlang, sondern türmten sich in deren Mitte auf. Die Verteidigung war daher nur plausibel zu machen, indem die Schweiz auf ihre alpine Mitte reduziert wurde, militärisch und «geistig».

Genau dieser Konnex zwischen konservativem Diskurs über die Nation und populären visuellen Inszenierungen dieser Nation in Bergbildern, sowie dessen Entstehung, Verbreitung und Verfestigung stehen im Zentrum von Schnetzers Erkenntnisinteresse. Die These lautet, dass die neuen Massenmedien Illustrierte und Film in ihren bildgestützten Bergnarrativen die bürgerlichen Traditionen des 19. Jahrhunderts, wie sie in der Literatur, der Malerei und im Alpinismus ausgebildet wurden, aufgenommen und fortgeführt haben. Unter zunehmend patriotischen Vorzeichen habe über diese Medien eine Popularisierung und Standardisierung der visuellen Inszenierungen stattgefunden, die eine Diffusion bürgerlicher Sehgewohnheiten in breite gesellschaftliche Schichten begleitete. Lehnten die bürgerlichen Eliten die populären Massenmedien anfänglich ab und verteufelten insbesondere den Film geradezu, setzte in den 1930er Jahren ein Umdenken ein. Zur Behauptung der eigenen Meinungsführerschaft wurde nun einer Instrumentalisierung dieser Medien das Wort geredet. Wieso sich hier gerade eine (katholisch-)konservative Elite so effektiv in Szene setzen konnte, wird in Schnetzers Ausführungen nicht ganz klar. Waren es mehr oder weniger zufällige personelle Konstellationen, die Exponenten jener Elite in den entscheidenden Jahren Schlüsselpositionen in Staat und Gesellschaft einnehmen ließ oder hatte sich der liberale schweizerische Bundesstaat mit der Förderung eines Nationalismus, der Geschichte und Boden als gemeinsame Grundlage des Schweizertums bemühte, auf lange Sicht hinaus in die Geiselhaft jener wirtschaftlich und zunächst auch bundespolitisch peripheren Gegenden begeben, in denen diese Nationalgeschichte angesiedelt war?

Erstmals auf Sehepunkte erschienen.
Patrick Kupper: Rezension von: Dominik Schnetzer: Bergbild und geistige Landesverteidigung. Die visuelle Inszenierung der Alpen im massenmedialen Ensemble der modernen Schweiz, Zürich: Chronos Verlag 2009, in: sehepunkte 10 (2010), Nr. 10 [15.10.2010].
LITERATUR
–Albera, François/Cosandey, Roland (Hg.): Cinéma sans frontières, 1896–1918. Aspects de l’internationalité dans le cinéma mondial. Représentations, marchés, influences et réception, Lausanne 1995.

–Gerber, Adrian: “Ein gediegene Aufklärung der Materie”. Katholische Filmarbeit in der Schweiz 1908–1972, Fribourg 2010.

–Dumont, Hervé: Geschichte des Schweizer Films. Spielfilme 1896–1965, Lausanne 1987.

–Haver, Gianni/Jaques, Pierre-Emmanuel: Le spectacle cinématographique en Suisse (1895–1945), Lausanne 2003.

–Jaques, Pierre-Emmanuel: Historische Kino-Forschung in der Schweiz. In: traverse, 2012/1, S. 249

–Schaub, Martin/Schlappner, Martin: Vergangenheit und Gegenwart des Schweizer Films (1896–1987) eine kritische Wertung, Zürich 1987.

–Schnetzer, Dominik: Bergbild und Geistige Landesverteidigung. Die visuelle Inszenierung der Alpen im massenmedialen Ensemble der modernen Schweiz, Zürich 2009.

–Wider, Werner/Aeppli, Felix: Der Schweizer Film 1929–1964. Die Schweiz als Ritual, Zürich 1981.

–Zimmermann, Yvonne: Bergführer Lorenz. Karriere eines missglückten Films, Marburg 2005.


FILMSPUR bietet einen Einstieg in die historische Arbeit mit Film- und Tonquellen. Anhand von verschiedenen Kriterien kann nach Archiven mit audiovisuellen Beständen gesucht werden. Ergänzend stehen Dokumentationen zur Verfügung, die entsprechende historische und methodische Fragestellungen behandeln.

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