Roland Cosandey (ECAL Lausanne):

Nuit et Brouillard - interdit en Suisse? Enquête sur une rumeur, et au delà


Silvia Berger (Zürich) betonte in ihren Begrüssungsworten, wie disparat die Beschaffungssituation für audiovisuelle Quellen in der Schweiz nach wie vor sei. 

Daran knüpfte Roland Cosandey (Lausanne) in seiner Keynote über die Rezeption von „Nuit et Brouillard“ (Alain Resnais, F 1955) an. Eine wissenschaftlich sattelfeste Filmografie des schweizerischen Schaffens gibt es bis heute nicht – Hervé Dumonts lückenhafte „Histoire du cinéma suisse“ (1987) bleibt oft als einzige Alternative. [6] Bei einem im europäischen Kontext so bedeutenden und verbreiteten Werk wie „Nuit et Brouillard“, ein eigentlicher „Kunstfilm“, wie Cosandey betonte, stellen sich jedoch ganz andere Fragen als jene nach der Beschaffung: Wo wurde der 32-minütige Streifen überall gezeigt? Und wenn er gezeigt wurde, in welcher Fassung? Wie haben die Zeitgenossen/innen darauf reagiert? Es ist klar, dass solches Suchen nach der Distributions- und Rezeptionsgeschichte unweigerlich eine Ausweitung des Quellenkorpus nach sich zieht. Kinoprogramme, Filmlisten, Inserate und Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften sind zu nennen, notabene allesamt über die Schweizer Kantone und ihre Archive verzettelt. Cosandeys Ausführungen entpuppten sich als Werkstattbericht, der bestens zum Tagungstitel passte: Die detektivische Fahndung nach der Filmspur, die im Westen und Osten anders verlief. So haben etwa die Westschweizer eine zensurierte Fassung von Resnais’ Film gesehen, in dem ein abgelichteter französischer Gendarme mit einem Klebstreifen überdeckt, bzw. zensuriert worden war. Cosandey geht davon aus, dass „Nuit et Brouillard“ in den Jahren um 1960 wohl einer der präsentesten Filme in den Köpfen der Schweizer/innen war, auch wenn die Spur manchmal nur in der chiffrierten Abwesenheit des Bildes greifbar wird. In einer Anzeige aus dem Jahr des Eichmann-Prozesses 1961 heisst es verheissungsvoll: „Dieses Photo können wir Ihnen des heiklen Themas wegen hier nicht zeigen. Sie sehen alles im Film, Bilder die Sie nie vergessen werden!“

Aus dem Tagungsbericht von Dominik Schnetzer.


 

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