Propaganda, Zensur und Genozid: Filme im Konflikt

Adrian Gerber (Universität Zürich):

Die Anfänge filmischer Propaganda im Italienisch-Türkischen Krieg (1911– 1912): Methoden, Beispiele, Ambivalenzen
















Die Inputs von Adrian Gerber (Zürich) und Matthias Uhlmann (Zürich) rückten verstärkt den Verwendungskontext ins Licht. Gerber verfolgt in seiner Dissertation das Ziel, politische Auseinandersetzungen im und über Kino anhand einzelner Kommunikationsereignisse zur untersuchen. Dabei gelte es den Begriff der „Kinoöffentlichkeit“ als ein auf das Kino bezogenes Kommunikationssystem zu definieren. Wiederum wurde ein Stummfilmbeispiel vorgeführt, das die Erhängung von 14 libyschen Widerstandskämpfern durch die italienischen Streitkräfte im Jahr 1911 abbildete. Gerber verfolgte nun die Spur dieses (Bild-)Ereignisses unter den Prämissen, dass diese Filme bereits damals international zirkulierten und Krieg ein populäres Thema war, nicht nur für Propagandafilme. Implizit wurde eine weitere wichtige Analyseebene angeschnitten, die des Bild-Text-Verhältnisses. Mittels Anführungszeichen („verräterische“ Araber) konnte etwa in Paratexten wie den Bildlegenden sichtbar gemacht werden, dass die italienische Perspektive auf das Ereignis kommunikativ nicht geteilt wird. Matthias Uhlmann schliesslich stützte sich in seinem Fallbeispiel zu der Naturisten-Szene der 1950er-Jahre („So leben Menschen“, CH 1954) vor allem auf Quellen staatlicher Behörden, um der Frage der Zensur nachzugehen.


Der Historiker Lukas Zürcher führte eine Quelle aus seiner Dissertation vor, den ersten Beitrag zu Ruanda des Schweizer Staatsfernsehens, der 1964 im Sendegefäss „Die Antenne“ ausgestrahlt wurde. Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit war in Ruanda mit der Genossenschaft „Travail, Fidélité, Progrès“ (Trafipro) aktiv, dessen operative Führung 1963 vom Dienst für technische Zusammenarbeit (DftZ) des Bundes übernommen wurde. Der Fernsehbericht konzentrierte sich auf die Persönlichkeit des damaligen Verantwortlichen Rudolf Villiger mit der Frage: Kann ein Einzelner in Ruanda in so kurzer Zeit helfen? Zürcher legte in seiner Analyse dar, dass es sich bei diesem Darstellungsmodus um einen damals verbreiteten Porträtismus handelte und dass der Beitrag in einer Serie von Bildern über Ruanda zu sehen ist, welche die Schweiz der Nachkriegszeit in Analogie zum eigenen Land generierte. In dieses Schema passt auch die im Bericht gemachte Beschreibung des damaligen ruandischen Präsidenten Grégoire Kayibanda, der mit Trafipro eng verbunden war. Im Bericht wurden dem zur Ethnie der Hutu gehörenden Kayibanda wahrhaft schweizerische Charaktereigenschaften zugesprochen. Analytisch interessant war einerseits, dass die Schweiz-Ruanda-Analogie ganz ohne materielle bewegte Bilder auskam, sondern sich hauptsächlich von den „Bildern im Kopf“ nährte. Andererseits thematisierte Zürcher die für Bild-Diskurse wichtige Grenze des Zeigbaren. Im Falle von Ruanda wären das die ethnischen Säuberungen im Süden des Landes im Jahr 1963, die im Fernsehbeitrag geflissentlich ausgeblendet wurden. In einer Bildanalyse ist das Nichtgezeigte je nach Fragestellung für die Kontextualisierung manchmal aussagekräftiger als das Gezeigte.


Aus dem Tagungsbericht von Dominik Schnetzer.


 

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Matthias Uhlmann (Universität Zürich)

Die Zürcher Filmzensur und die Grenzen des Archivs am Beispiel der Naturistenfilme des Schweizers Werner Kunz


Auf Grund der baldigen Publikation seiner Arbeit, hat Matthias Uhlmann auf eine Video-Dokumentation verzichtet.


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