Mariann Sträuli (Bologna/Zürich):

Im Licht der Leinwand besehen. Aufführungspraxis, Produktionsserien und Publikum um 1900 – 1910

 


Viele Kontextualisierungsbezüge liess schliesslich die Keynote von Mariann Sträuli zu, die als regelrechtes Bilderfest daherkam, indem die Referentin rund ein Dutzend Filmbeiträge aus der frühen Kinematographie vorführte und gleichzeitig kommentierte. Nicht nur theoretisch war damit zu erfahren, dass die bewegten Bilder aus dem ersten Fünftel des 20. Jahrhunderts immer Teil einer Produktionsserie waren, welche die Kinobetreiber fertig einkauften, meistens ohne sie vorher gesehen zu haben. Die Wandlungen dieser Produktionsserien ermöglichen Rückschlüsse auf den Publikumsgeschmack sowie auf die brisanten Themen der Zeit, an denen sich die Verleihunternehmen orientiert haben. Sträuli machte bei dem italienischen Streifen „Lea e il gomitolo“ (1913) Interdependenzen zu den explosiven Suffragetten-Protesten aus oder zeigte am Schallplatten-Tonfilm-Beitrag „Schutzmann-Lied“ (1908) mit Verweis auf die Serialität den Humor der wilhelminischen Zeit. Dargelegt wurden mittels intertextuellen sowie intermedialen Analysen auch die Verquickung der verschiedenen Formen und Praxen des massenmedialen Dispositivs des frühen 20. Jahrhunderts, in denen sich Bühnenkunst, Kinematografie, Fotografie und Jahrmarktspektakel in einem einzigartig engen Wechselspiel befanden.


Aus dem Tagungsbericht von Dominik Schnetzer.


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