Im ersten Panel kamen zwei Autoren des Sammelbands „Schaufenster Schweiz“ über die dokumentarischen Gebrauchfilme 1896–1964 zu Wort.

Pierre-Emmanuel Jaques (Lausanne) stellte mit „L’Année de Vigneronne“ (1940) ein Fallbeispiel aus dem Tourismusfilm vor, in dem traditionalistische Komponenten des Alpenlandes künstlerisch anspruchsvoll ins Bild gesetzt sind. Jacques verortete diese filmischen Artefakte in einem Dispositiv aus Bundesinstitutionen wie etwa der Bahn, Post oder der Verkehrszentrale, die sich im Sinne einer „Bricolage“ am nationalen Selbstbild beteiligten und den Film gleichzeitig als PR-Vehikel nutzten. Die Filmwissenschafterin Anita Gertiser (Universität Zürich) bot ebenfalls Einblick in ihre Forschungswerkstatt und plauderte aus dem Nähkästchen, wie sie selbst sagte, in dem sie mit „Contre l’abus du schnaps“ (1929/30) ein auffälliges Stück Lehrfilm thematisierte. Geprägt durch Stilelemente der Russischen Schule und der Deutschen Sachlichkeit will der Streifen nicht so recht in die gängige Vorstellung des didaktischen Films passen. Den Entstehungskontext sowie die Überlieferungs- und Verbreitungsgeschichte zu klären gleiche der Arbeit an einem Puzzle, meinte Gertiser. Gerade der Stummfilm könne schliesslich in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen weiterverwendet werden und die Bilder entfalteten so ihre Wirkung auch ausserhalb des originären Konstrukts. Aus dem vermeintlichen Erfolg dieser Filmbilder aber gleich einen Kausalzusammenhang zur gewonnen Abstimmung über das neue Alkoholgesetz (1932) abzuleiten, scheint dann doch ein bisschen gewagt.


So aufschlussreich solche Werkstattberichte sind, es war auffällig, dass sich die Quellenkritik der Referierenden vorwiegend auf Materialität und Gebrauchsformen beschränkte. Formale Analysen zu Motiven, Figuren und Objekten oder zu gestalterischen Elementen wie Perspektive, Licht oder Einstellungen blieben unterbehandelt, genauso wie Fragen nach Intertextualität, Serialität oder Diskursivität der Filmbilder. Ausnahmen boten das Referat von Lukas Zürcher (Zürich) und die zweite Keynote von Mariann Sträuli (Zürich/Bologna).

Aus dem Tagungsbericht von Dominik Schnetzer.


 

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Roland Cosandey / Mariann Sträuli / Für die Bahn und gegen Alkohol / Propaganda, Zensur und Genozid

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Der Film auf DVD

Collection Cinémathèque suisse. Trésors de la Cinémathèque suisse, vol. 1


Der besprochene Film ist über folgendes Archiv zugänglich:

Cinémathèque suisse


Weitere Informationen zum Film finden sich im Sammelband „Schaufenster Schweiz“ auf folgenden Seiten:

S. 60, 62, 212-213.

Anita Gertiser (UZH):

CONTRE L'ABUS DU SCHNAPS – eine historische Recherche

Links zu Anita Gertiser

Zur Person


Der besprochene Film ist über folgendes Archiv zugänglich:

Cinémathèque suisse


Weitere Informationen zum Film finden sich im Sammelband „Schaufenster Schweiz“ auf folgenden Seiten:

S. 71, 100, 416 und 545.

Pierre-Emmanuel Jaques (UNIL):

Au service du tourisme: le cinéma des régies fédérales

Für die Bahn und gegen Alkohol: Gebrauchsfilm in der Schweiz

Panel: Für die Bahn und gegen den Alkohol: Gebrauchsfilm in der Schweiz